Professorin Barbara Thomaß von der Ruhr-Universität Bochum und Roberto Suárez Candel von der Europäischen Rundfunkunion hielten die Keynotes.

29.10.2019

Starkes Plädoyer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Im Erich-Brost-Haus diskutierten Medienpraktiker und Wissenschaftler über Entwicklungen der Medienpolitik.

Bei der Tagung „Inter/Transnational Media Policy and Regulation in Digital Environments. Debates. Strategies. Innovations“, die Ende vergangener Woche im Erich-Brost-Haus an der TU Dortmund stattfand, tauschten sich Medienpraktiker und Wissenschaftler zu aktuellen Entwicklungen der Medienpolitik in der digitalen Welt aus.

In seiner Eröffnungsrede hielt Roberto Suárez Candel, Head of Strategie & Media Intelligence der Europäischen Rundfunkunion (EBU), ein starkes Plädoyer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und betonte dessen Funktionen für eine pluralistische Gesellschaft. Er forderte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in ihre Außenwirkung investierten und den Wert, den sie für die Gesellschaft bereitstellen, besser kommunizierten. Die besondere Schwierigkeit bestünde darin, einerseits dem verstärkten Wunsch nach Individualismus und andererseits dem gesellschaftlichen Miteinander gerecht zu werden.

Zudem sei der Druck durch kommerzielle Konkurrenten, die nicht unbedingt aus dem Medienumfeld kommen (wie bspw. Amazon, Netflix) stark gestiegen. Nichtsdestotrotz liefere der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach wie vor die besten Produktionen, und das nicht nur im Nachrichtenbereich. So seien zum Beispiel auch alle Gewinner des Internationalen Filmfestivals in Cannes Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Als Reaktion auf die Rede Suárez Candels forderte Professorin Barbara Thomaß (Ruhr-Universität Bochum), die die zweite Keynote hielt, eine stärkere Repräsentation aller gesellschaftlicher Gruppen in den Aufsichtsräten der öffentlich-rechtlichen Sender.

Im Panel „Regulierung digitaler Medien“ referierte Stefanie Fuchsloch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik, zum Thema „Platforms and intermediary services – same same but different?“ Zentral war die Vorstellung eines stufenbasierten Begriffsmodells, um die - oftmals synonym verwendeten Begriffe - Plattform und Intermediär stärker zu differenzieren. Öffentliche Konsultationen zu Online-Plattformen zeigten, dass eine "one-size-fits-all"-Definition im Rahmen europäischer Reformierungen von verschiedenen Stakeholdernals als nicht mehr ausreichend angesehen werden, weshalb das Modell diese verschiedenen Dienstleistungen ausdiffernziert und somit einen Beitrag zu möglichen Legaldefinitionen leisten möchte.

Die Tagung wurde von der Fachgruppe Internationale und interkulturelle Kommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und dem Netzwerk Medienstrukturen ausgerichtet und von den ehemaligen ij-Mitarbeiter*innen Dr. Julia Lönnendonker und Dr. Florian Meißner mitorganisiert.