Studierende des Studiengangs Journalistik an der TU Dortmund trafen Can Dündar in seinem Berliner Exil. Foto: Paula Protzen

03.05.2019

Tag der Pressefreiheit: EBI organisiert Seminar mit „Reporter ohne Grenzen“ in Berlin

30 Journalistik-Studierende haben sich mit der wachsenden Bedrohung von Journalisten auseinandergesetzt und diskutieren mit Ex-Cumhuriyet Chefredakteur Can Dündar.

30 Journalistik-Studierende der TU Dortmund haben sich anlässlich des weltweiten Tags der Pressefreiheit intensiv mit der wachsenden Bedrohung von Journalisten und Medien auseinandergesetzt. Im Rahmen eines gemeinsamen Seminars mit „Reporter ohne Grenzen“ in Berlin diskutierten die Dortmunder mit Journalisten aus Syrien, Pakistan, Simbabwe und Kambodscha – sie alle sind in ihren Heimatländern extremem politischen Druck und Verfolgung durch die Geheimdienste ausgesetzt. SIIC-Doktorandin Abeer Saady (Foto) teilte Erfahrung aus ihrer Zeit als Kriegs- und Krisenreporterin. Unter Anleitung der internationalen Journalisten erarbeiteten die Dortmunder Studenten in Berlin Strategien zur digitalen Sicherheit bei der journalistischen Recherche – diese sind für Journalisten in repressiven Regimes überlebenswichtig. 

Auch EBI-Doktorandin Abeer Saady diskutierte mit den Studierenden.Höhepunkt des Seminars war eine Begegnung mit Can Dündar, dem früheren Chefredakteur der türkischen Zeitung Cumhuriyet. Dündar ist aufgrund seiner kritischen Berichterstattung über die Regierung Erdogan in der Türkei extremem Druck und Verfolgung ausgesetzt; er lebt und arbeitet inzwischen in Deutschland. Ein Gericht hatte ihn wegen der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Dündar machte den angehenden Dortmunder Journalistinnen und Journalisten eindringlich klar, wie viel Mut es heute in vielen Ländern brauche, als Journalist zu arbeiten. Kritische Medien seien unabdingbar, um den Menschen zu helfen, sich von Diktatoren und Autokraten zu befreien.

Der Besuch fand im Rahmen des Seminars "Internationale Mediensysteme" statt, das von Prof. Dr. Susanne Fengler, Leiterin des Erich-Brost-Instituts für Internationalen Journalismus (EBI) und Professorin für Internationalen Journalismus am Institut für Journalistik, geleitet wird. Das EBI setzt sich in zahlreichen Projekten für Journalistinnen und Journalisten in Ländern mit bedrohter Pressefreiheit ein. Drei Beispiele: Das EBI-Team schult Journalisten aus Afrika zum Thema Migration, in Tunesien hat das EBI ein System der Medienselbstkontrolle aufgebaut und das NEWSREEL-Projekt am EBI setzt sich zum Ziel, die Journalistenausbildung in Osteuropa zu stärken.