Das Konferenzzentrum der „European Communication Conference" in Lugano. Foto: Kreutler

08.11.2018

IJ-Wissenschaftler stellten Forschungsergebnisse bei der ECREA vor

Mehrere Mitglieder des Instituts für Journalistik haben bei der European Communication Conference (ECREA) in Lugano (Schweiz) ihre Forschungsergebnisse präsentiert. Die Tagung stand in diesem Jahr unter dem Thema "Centres and Peripheries: Communication, Research, Translation".

Karin Boczek und Jakob Henke stellten in einem Vortrag die Forschung zum Thema Experten im Journalismus vor. Das Team untersuchte, wie sich die Nutzung von Experten durch Journalisten zwischen überregionalen und regionalen Zeitungen unterscheidet. Schwerpunkt war die Ähnlichkeit zwischen Expert*innen und Journalist*innen im Bezug auf ihren Arbeitsort. Kernergebnis ist, dass es bei regionalen und überregionalen Zeitungen Unterschiede zwischen der Nähe von Expert*in und Journalist*in gibt. Überregionale Zeitungen zitieren eher Expert*innen, die weiter von ihnen entfernt sind als regionale Zeitungen, was in Unterschieden der Qualität der Berichterstattung resultieren könnte.  

Marcus Kreutler präsentierte Ergebnisse seines Promotionsprojekts zu gegenseitiger Berichterstattung europäischer und afrikanischer Länder mit gemeinsamer Kolonialvergangenheit und teilweise gleicher Sprache. Er arbeitet dazu mit drei Zeitungspaaren, die auf Englisch (Großbritannien / Südafrika), Portugiesisch (Angola / Portugal) und Deutsch (Deutschland und die Tageszeitung der deutschsprachigen Minderheit Namibias) erscheinen. In seiner Präsentation zeigte er, dass sich die Berichterstattung über diese „Paar-Länder“ in fünf der sechs Zeitungen deutlich von der jeweiligen Gesamtberichterstattung über den anderen Kontinent abhebt. Der SIIC-Fellow befasst sich nun mit der Frage, ob auch Elemente transnationaler Öffentlichkeit in dieser verstärkten Auslandsberichterstattung identifizierbar sind.

Caroline Lindekamp reiste mit einer Präsentation zu dem Theoriemodell Ihrer Promotion nach Lugano. Sie hat das Circular Impact Model (CIM) entwickelt, um Media Accountability in den Maghreb-Staaten Algerien, Marokko und Tunesien vergleichend zu erforschen. Das CIM hat ebenso Potenzial für andere Forschungsfelder, wie die Promotionsstudentin des SIIC bei der ECREA betonte. Media Accountability als Variable würde dann durch ein anderes Phänomen im Journalismus ersetzt. Eine Publikation zu dem CIM ist in Druck. Das Kapitel wird in dem Routledge-Sammelband "Media Accountability at the Crossroads: European Challenges and Perspectives” erscheinen. IJ-Professorin Susanne Fengler gehört zu den Herausgebern.

Dr. Florian Meißner wurde während der Tagung zum Vice Chair der Fachgruppe „Crisis Communication“ bei der ECREA gewählt. Zudem präsentierte er ein Forschungsvorhaben, das die Beobachtung der öffentlichen Kommunikation zum Thema Cyber-Sicherheit zum Ziel hat. Dafür werden sowohl journalistische Online-Berichterstattung als auch die Kommunikation in sozialen Netzwerken untersucht. Hintergrund ist die Tatsache, dass Cyber-Sicherheit infolge der Digitalisierung eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist – die Zivilgesellschaft ist davon ebenso betroffen wie Unternehmen und politische Institutionen. Dennoch gibt es bislang kaum Studien, die sich der öffentlichen Kommunikation zu diesem Thema widmen.