17.12.2019

Gerret von Nordheim mit Dissertationspreis ausgezeichnet

Der IJ-Mitarbeiter Dr. Gerret von Nordheim erhält den diesjährigen Dissertationspreis der TU Dortmund für die Fakultät Kulturwissenschaften.

Prof. Gabriele Sadowski, Prorektorin For­schung (links im Bild), und Prof. Insa Melle, Prorektorin Studium, gratulierten dem Preisträger Dr. Gerret von Nordheim zum Dissertationspreis. Foto: TU Dortmund

Dr. Gerret von Nordheim, Mitarbeiter und Absolvent des Instituts für Journalistik der TU Dortmund, wurde für den diesjährigen Dissertationspreis der TU Dortmund für die Fakultät 15 (Kulturwissenschaften) ausgewählt.

Im Vordergrund seiner kumulativen Doktorarbeit „Journalism in the Age of Singularization – inter-media perspectives through computational methods“ steht das Nebeneinander alter und neuer Medienformen, vor allem die Interdependenzen zwischen der journalistischen Praxis und algorithmisch gesteuerten Plattformen wie Twitter. Von Nordheim argumentiert, dass sich diese Co-Existenz durch eine zentrale, bisher theoretisch wenig beleuchtete, Dynamik beschreiben lässt: Die Logiken, die jeweils die Art und Weise bestimmen, wie Realität konstruiert wird, sind bei alten und neuen Medien grundverschieden – in vielen Punkten wirken sie sogar diametral. Während Journalismus als System auf Gemeinwohl und Demokratiefähigkeit ziele, folgten algorithmische Medien vor allem ökonomischen Imperativen und wirkten in der Folge tendenziell polarisierend, relativistisch und affizierend. Von Nordheim bezeichnet diese Medienlogik in Rückgriff auf den Soziologen Reckwitz als singularisierend.

Von Nordheim et al. konnten in ihren Studien auf inhaltsanalytischer Ebene sowohl im Kontext spezifischer Debatten als auch allgemein in Bezug auf die journalistische Quellen-Praxis starke Anzeichen dafür finden, dass die Logiken der Singularisierung elementare Auswirkungen auf Journalismus haben. Insbesondere die affizierenden Themen der vergangenen Jahre, die TTIP-Debatte, der Brexit und besonders der US-amerikanische Wahlkampf haben bewirkt, dass soziale Medien eine stetig größere Rolle in der journalistischen Praxis spielen. Journalisten bilden sich eine Meinung von der öffentlichen Stimmung in einem Umfeld, dessen Population die Bevölkerung nicht widerspiegelt, das instrumentalisiert wird von interessengeleiteten Akteuren und zusätzlich durch Algorithmen verzerrt wird.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse plädiert er dafür, das Konzept der Meinungsbildungsrelevanz digitaler Intermediäre zu überdenken. Der Einfluss der neuen Medien bestehe nicht nur in der Distribution medialer Inhalte, sondern in der strategischen, zielgerichteten Neu-Organisation von Inhalten (Singularisierung). Der Einfluss dieser neuen Medienlogik sei nicht allein durch die Rezeption bestimmter Kanäle zu bemessen – die singularisierende Logik werde auch indirekt wirksam, zum Beispiel, indem sie durch Journalisten reproduziert werde.

Eine ausführlichere Zusammenfassung der Dissertation „Journalism in the Age of Singularization – inter-media perspectives through computational methods“ finden Sie auf der Webseite des European Journalism Observatory (EJO).