10.02.2020

Die WTO im Spiegel der Medien

Die Erwartungen an die vor 25 Jahren gegründete Welthandelsorganisation (WTO) waren groß. Wie eine Untersuchung des Dortmunder Forschungszentrums DoCMA darlegt, wurden diese nicht erfüllt.

Als 1995 die Welthandelsorganisation (WTO) gegründet wurde, waren die Erwartungen an dieses neue Forum groß. Doch wie eine Analyse der Medienberichterstattung des Dortmund Center for data-based Media Analysis (DoCMA) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt, ist es diesen Erwartungen nicht gerecht geworden.

Seit Mitte der 2000er habe die Intensität der öffentlichen Wahrnehmung dieser globalen Institution stark nachgelassen, heißt es in der gerade veröffentlichten Publikation „Eine verschwindende Institution. 25 Jahre Welthandelsorganisation: die WTO im Spiegel der Medien“ von Henrik Müller, Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus am IJ, und der ehemaligen IJ-Mitarbeiterin Karin Boczek, seit Oktober 2019 Junior-Professorin am Journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Multilaterale Ansätze seien sukzessive aus den handelspolitischen Diskursen verschwunden. Die Debatte werde zunehmend von nationalen Perspektiven dominiert. Erst die protektionistische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump habe den Fokus wieder verstärkt auf die WTO gelenkt.

In die Analyse gingen alle Artikel mit WTO-Bezug ein, die zwischen  Januar 1994 und Juni 2019 in der „Süddeutschen  Zeitung“ und im „Handelsblatt“ über die WTO erschienen sind – insgesamt waren es 9.378 Artikel, in denen die Begriffe „Welthandelsorganisation“, „World Trade Organization“ oder „WTO“  verwendet  wurden. Diese wurden mithilfe der algorithmusgestützten Latent-Dirichlet-Allocation-Methode (LDA-Methode) untersucht. Parallel dazu wurde eine Untersuchung der führenden US-amerikanischen Zeitungen „New York Times“ und „Washington Post“ vorgenommen – hier gingen 9.818 Artikel mit WTO-Bezug ein.