06.10.2021

Medienfreiheit in Nordafrika sichern

Das Erich-Brost-Institut veranstaltete Ende September eine Konferenz für Medienunternehmer und Chefredakteure in Jordanien.

Die Teil­neh­men­den der Kon­fe­renz in Amman wol­len künftig in­ter­na­ti­o­na­le Standards für Medientransparenz über­neh­men, die das Erich-Brost-Institut ent­wickelt hat. Für das EBI waren Isabella Kurkowski (2.v.l.) und Alice Pesaven-to (7.v.l. hinten) vor Ort. Foto: Clément Gibon/Samir Kassir Foundation

Finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amtes hat das Erich-Brost-Institut für inter­natio­nalen Jour­na­lis­mus der TU Dort­mund Ende Sep­tem­ber eine Kon­fe­renz für Me­dien­un­ter­neh­merinnen und Medienunternehmer  sowie Chefredakteurinnen und Chefredakteure in Amman, Jordanien, durch­ge­führt. Im Mit­tel­punkt stand die Fra­ge nach der Sicherung der Existenz un­ab­hän­gig­er Me­di­en in den Ländern Nordafrikas und des mittleren Ostens durch finanzielle Nach­hal­tig­keit und langfristige Publikumsbindung durch Me­dien­ver­ant­wor­tung.

Im Zuge der Co­rona­krise hat sich die Lage der Me­di­en in vie­len Ländern massiv verschlechtert. Viele arabische, afrikanische und asiatische Staaten griffen unter dem Vorwand pandemiebedingter Schutz­maß­nah­men massiv in die Pressefreiheit ein. Hinzu kom­men wirtschaftliche Faktoren: Die kleinen, staatsunabhängigen Me­di­en in Transformationsstaaten sind ebenso wie kritische Journalistinnen und Journalisten durch einbrechende Umsatzerlöse oftmals in ihrer Existenz bedroht. Dies hat gravierende Folgen für die öffentliche Debatte in Krisenstaaten. Aufgrund des enormen politischen Drucks auf die Me­di­en in vie­len Staaten der so­ge­nann­ten MENA-Region (Middle East North Africa) und der finanziellen Ab­hän­gig­keit vieler arabischer Me­di­en vom Staat leidet der Jour­na­lis­mus in diesen Ländern unter massiven Glaubwürdigkeitsproblemen.

In Amman diskutierten die Ver­tre­ter staatsunabhängiger Me­di­en, wie sich diese durch Instrumente der Medientransparenz deutlich von staatlich gelenkten Me­di­en absetzen und größere Publikumsanteile ge­win­nen kön­nen. In ei­nem Vorläuferprojekt des Erich-Brost-Instituts (EBI) mit dem Auswärtigen Amt in Tunesien wurden bei­spiels­weise in dortigen Redaktionen er­folg­reich Ombudsleute als „Anwälte des Publikums“ eingeführt. Dieses Kon­zept wurde nun auch mit den aus neun MENA-Staaten, von Sudan bis Algerien, stammenden Entscheider*innen diskutiert. Weiteres Ergebnis der Kon­fe­renz: Die Teil­neh­men­den wol­len künftig in­ter­na­ti­o­na­le Standards für Medientransparenz über­neh­men, die das EBI in sei­nem Projekt „Global Handbook of Media Accountability“ ent­wickelt hat. Ebenso treten sie dem vom EBI ins Leben gerufenen regionalen Netz­werk für Me­dien­ver­ant­wor­tung in der MENA-Region bei.

Partner des Erich-Brost-Instituts bei der Durchführung der Ver­an­stal­tung war die im ara­bi­schen Raum angesehene Samir-Kassir-Foun­da­tion, die sich seit Jah­ren vor Ort für unabhängigen Jour­na­lis­mus einsetzt. Grundlage für die Kon­fe­renz war ein Forschungsbericht, den das EBI im ver­gang­enen Jahr vorgelegt hat. Der Bericht analysiert erstmals Status Quo, Defizite und Chancen des Media-Accountability-Konzepts in den Staaten der MENA-Region.