"Von diesem Schwung profitiere ich bis heute"

Was hat Ihnen das Studium in Dortmund für die journalistische Laufbahn gebracht?

Sußebach: Ich finde, so etwas ist im Rückblick schwer zu beantworten. Warum fließt ein Fluss so, wie er fließt – und welchen Einfluss hat die Biegung kurz hinter der Quelle darauf, wo der Strom letztlich ins Meer mündet? Ich vermute, einen großen. Ganz sicher bin ich: Durch das garantierte Volontariat wie auch durch den Praxisbezug in den Seminaren war da eine Konkretion, auch ein Optimismus, der sehr motiviert hat. Das Studium in Dortmund hat keine Zweifel genährt, es hat mich beschwingt. Ich glaube, von diesem Schwung profitiere ich bis heute.

Wovon haben Sie im Studium besonders für Ihre spätere journalistische Laufbahn profitiert?

Sußebach: Mag sein, dass ich die eher theoretischen, vagen Fächer unterschätze, weil deren Nutzen nun mal auch theoretisch und vage ist – heute glaube ich jedenfalls, dass mir bis heute ganz besonders die konkreten Anleitungen von damals helfen. Alles, was ich in der Redaktion der Campuszeitung (damals „InDOpendent“) an Handwerklichem und Zwischenmenschlichem gelernt habe. Alles, was Professor Branahl uns an Medienrecht mit auf den Weg gab. In unserem Beruf geht es so viel um Einschätzungen und auch Geschmacksfragen (gerade bei Reportagen, wie ich sie für die ZEIT schreiben darf), dass ich mich freue, ein paar feste Koordinaten zu kennen: Was man darf und was nicht, zum Beispiel.

Was raten/wünschen Sie den künftigen Absolventen des Instituts für Journalistik?

Sußebach:  Weniger Selbstzweifel und weniger Zweifel an ihrem Beruf zu haben. Es gibt viele gute Gründe, den Journalismus zu kritisieren. Den Herdentrieb. Die Oberflächlichkeit. Die Opfer, die er hinterlässt. Hin und wieder gebe ich Seminare am IfJ und merke: Pauschale Kritik am Journalismus ist inzwischen so wohlfeil, dass selbst angehende Journalisten davon erfasst sind! Dass sie nicht mehr überlegen: „Wie kann ich es besser machen?“ Sondern denken: „Uns braucht’s nicht mehr.“ Oder sogar: „Wir sind die Bösen.“ Aber das stimmt nicht. Es braucht uns. Und wir sind die Guten. Wir schaffen Öffentlichkeit dort, wo andere nur Verlautbarungen verfassen. Wir fahren in Kriegsgebiete, in denen Propagandisten dabei sind, die Wahrheit zu töten. Wir fragen dort nach, wo sich mancher um Antworten drückt.

Warum sollte man heute noch Journalist werden?

Sußebach: Weil die Welt gerade wieder in Bewegung gerät. Weil über so unglaublich viel Schönes und Schreckliches zu berichten ist. Und weil die Menschen immer (wahre!) Geschichten erzählt bekommen wollen – in welcher Form, über welches Medium auch immer.

An welchen Moment im Journalistik-Studium können Sie sich noch besonders gut erinnern?

Sußebach: Es sind zwei Momente. Der erste: Wie viele von uns Erstsemestern – ausgewählt per Numerus Clausus, also vermutlich eher Streber als Querköpfe – sich anfangs in den Seminaren brav mit Handzeichen meldeten. Und gab’s nicht sogar hier und da ein Fingerschnipsen? Der zweite Augenblick, der in Erinnerung geblieben ist: Die Massenpanik, die uns angesichts der einzigen zwei Klausuren erfasste, die wir damals im gesamten Studiumsverlauf zu schreiben hatten. Vermutlich hätte sich bei nur einer Klausur die Angst nochmals verdoppelt.