Drei Fragen an...

 

Marie Luise Denecke

"Ziele von Digitalstrategien deutscher Verlage. Eine Analyse von Statusquo und Perspektiven"

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Mich interessiert, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf journalistische Produkte sowie auf die journalistische Arbeit hat. Ursprünglich wollte ich meine Masterarbeit zu einem anderen Themenschwerpunkt verfassen: Haben klassische long read-Stücke im Print – etwa Reportagen – eine Chance in der digitalen Rezeption? Schließlich zirkelte ich das Thema auf die Situation deutscher Zeitungsverlage ein. Ich komme aus dem klassischen Printjournalismus. Herauszufinden, mit welchen Strategien deutsche Verlage der Digitalisierung begegnen, finde ich besonders spannend.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Digitalisierung und digitale Transformation sind in der Medienwelt keine neuen Schlagwörter. Neu ist jedoch die Strategie, mit der große Verlage der Digitalisierung begegnen: Viele scheinen ihre Marke aufzusplitten, um im Digitalen unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Der ursprünglichen Zielgruppe reichen der klassische Printtitel sowie beispielsweise das E-Paper. Ein Zusatz-Angebot ist die Homepage, die wegen des Drucks zur Refinanzierung immer wieder Veränderungen erfährt. Dann gibt es die „jungen“ Digitalangebote, die ich untersuche. Diese Mehr-Marken-Strategie ist höchst interessant.

 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Der Bezug meines Themas zur journalistischen Praxis ist klar gegeben: Wie große deutsche Verlage den Herausforderung von Konsum und Refinanzierung im Digitalen begegnen, berührt den Kern von modernem Journalismus. Dass Verlage unterschiedliche Altersgruppen auf verschiedenen Weisen begegnen, sagt zum einen viel darüber aus, wie Rezipienten Medien heutzutage konsumieren. Andererseits gibt es Einblicke darin, wie sich die Verlage für die Zukunft aufstellen möchten.

 

 

Julian Beyer

"Das Publikumsbild von Journalisten in der Metropole Ruhr am Beispiel des privaten Hörfunks"

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Die Möglichkeiten für Medien, ihre Rezipienten zu erfassen, wachsen kontinuierlich. Schon lange handelt es sich beim Publikum nicht mehr um eine unbekannte Masse. Vielmehr können detaillierte Daten und Informationen über die Nutzer von Medienangeboten erhoben werden. Am Beispiel des Ballungsraumes Ruhrgebiet möchte ich die journalistischen Beobachtungen der Rezipienten untersuchen. Gleichzeitig möchte ich die Basis bzw. die Hintergründe ermitteln. Abschließend möchte ich erforschen, wie sich die Beobachtungen des Publikums auf die Aussagenproduktion der Journalisten auswirken.

 

Was ist das Neue an Ihrer Forschung? Was erwarten Sie an Forschungsfortschritt?

Meine Forschungsarbeit ist praxisorientiert. Durch eine Befragung der privaten Lokalradios ermittele ich, welche Informationen sie über ihr Publikum erheben. In Gruppendiskussionen mit den Journalisten untersuche ich anschließend, welches konkrete Bild ihres Publikums sich daraus ergibt. Haben freie Mitarbeiter ein anderes Bild ihres Publikums als Festangestellte? An welchen Daten orientiert sich die Berichterstattung? Gibt es die Hörerin und den Hörer im Ruhrgebiet oder ist die Hörerschaft nach Vorstellung der Journalisten verschieden?

 

Sehen Sie beim Thema eine Relevanz für die journalistische Praxis?

Die Ergebnisse meiner Arbeit sollen Erkenntnisse liefern, wie viel die Journalisten im Ruhrgebiet über ihr Publikum wissen und wie sie dieses Wissen in der Praxis anwenden. Dadurch sollen detaillierte Angaben zur Beziehung zwischen Journalisten und Hörerschaft im Lokalen ermittelt werden.

 



 

Vanessa Martella 

"Journalist trifft Jurist: Eine Untersuchung der Zusammenarbeit von Redaktion und Rechtsabteilung"

 

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Juristische Fragen tauchen im Alltag jedes Journalisten auf. Sei es bei der Recherche von Themen oder schlicht bei der Bebilderung - oder wenn schließlich eine Klage eintrudelt. Deshalb habe ich mich gefragt, ob und wie Redaktion und Rechtsabteilung zusammenarbeiten, um dieses Risiko zu minimieren. Dabei interessiert mich vor allem die tagesaktuelle Berichterstattung in Tageszeitungen und Online-Medien. Je mehr veröffentlicht wird, desto schwieriger stelle ich es mir vor, überhaupt noch eine Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen aufrechtzuerhalten. Das will ich genauer untersuchen.


Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

In der Forschung wurde bereits viel zur Berichterstattung über das Justizsystem geschrieben, Journalisten und Juristen stehen sich hier in der Regel gegenüber. Der Fall, dass sie auf derselben Seite stehen, nämlich für ein Medienhaus arbeiten, ist dagegen bisher kaum beachtet worden. Mit meiner Arbeit will ich deshalb einen Grundstein legen: Intensive Interviews mit Journalisten und Juristen sollen es ermöglichen, das Verhältnis dieser Abteilungen und die Effizienz ihrer Zusammenarbeit genau unter die Lupe zu nehmen.


 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Der empirische Teil dieser Arbeit, den Interviews mit Journalisten und Juristen bilden, zeichnet sich insbesondere durch seine Praxisnähe aus. Mithilfe dieser Gespräche werde ich versuchen, ein möglichst realitätsnahes Bild der Situation zu zeichnen, dass als Grundlage dienen kann, um Probleme und Chancen der Zusammenarbeit daraus abzuleiten. Was sind gängige Missverständnisse? Was würden sich die Abteilungen voneinander wünschen? Mit meiner Arbeit ziele ich darauf ab, zahlreiche Hinweise für die tatsächliche Verbesserung des Zusammenspiels von Journalisten und Juristen zusammenzutragen.

 

 


 

Jens Rospek

"Wie nützlich sind Social Media Guidelines in der Praxis? Eine explorative Studie zu Entstehung, Struktur, Anwendung und Bedeutung von Social-Media-Guidelines beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus Macherperspektive"

 

Wie sind zu Ihrem Thema gekommen?

Der erste Impuls zum Oberthema Social-Media-Guidelines kam von einem meiner Professoren. Nach einer ersten Recherche war klar: Gerade im Journalismus sind Social Media, beispielsweise bei der Recherche oder der Kommunikation mit dem Publikum, zentraler Bestandteil der eigenen Arbeit. Dennoch hat man oft das Gefühl, dass Guidelines, die eigentlich eine Handlungshilfe für den Umgang mit Social Media sein sollen, oft nicht mehr als schlecht anwendbare „Alibileitlinien“ sind. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, grundlegend zu erforschen, wie solche Guidelines in Medienunternehmen überhaupt entstehen, wie sie ein- und umgesetzt werden und welche Ziele die „Macher“ durch sie erreichen wollen.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

In der Wissenschaft scheinen Social-Media-Guidelines noch nicht angekommen zu sein - weder allgemein noch speziell im Journalismus, wo sie eigentlich besonders relevant sein müssten. Obwohl sie seit Jahren existieren, gibt es kaum Erkenntnisse über Guidelines. Genau hier setzt die Arbeit am Fallbeispiel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an und will dabei zunächst aus „Macherperspektive“ grundlegende Fakten schaffen: Wer ist an der Erstellung von Guidelines überhaupt beteiligt? Auf welche Inhalte wird warum besonders Wert gelegt? Werden Guidelines evaluiert? Solche und ähnliche Fragen soll die Arbeit beantworten und somit erste Erkenntnisse liefern, wie nützlich Guidelines in der Praxis sein können und sollen.

 

Worin sehen Sie den Bezug zur journalistischen Praxis?

Ein sicherer Umgang mit Social Media ist für Journalisten eine wichtige Voraussetzung. Genau zu einer solchen Handlungssicherheit sollen Social-Media-Guidelines beitragen. Das funktioniert aber nur, wenn sie sinnvoll und praxistauglich gestaltet sind. Um wissen zu können, ob dies auch tatsächlich der Fall ist, muss zunächst geklärt werden, welche Bedeutung und Ziele Guidelines aus „Macherperspektive“ besitzen. Erst wenn dies geschehen ist, können in einem zweiten Schritt die Erwartungen von „Machern“ und „Nutzern“ verglichen und die Guidelines auf dieser Grundlage verbessert werden. Besonders Journalisten, die im Umgang mit Social Media eher unsicher sind, sollten am Ende von guten bzw. besseren Guidelines profitieren.

 


Anna Hückelheim

"Vertrauen oder Transparenz? Umfragen im Fernsehen: Ideen für die Berichterstattung von morgen"

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?
Den Ausschlag gab die „Sunday Times“, die im Vorfeld des schottischen Unabhängigkeits-Referendums einen Online-Beitrag mit der Überschrift betitelte: „Yes leads in Scots poll shock“. Der Autor bezog sich auf Umfrageergebnisse, die nur auf den ersten Blick eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter bedeuteten. Tatsächlich ermöglichten die Daten ein solches Fazit gar nicht. Wir besprachen das Beispiel in der Einführungsveranstaltung des Masterstudiengangs „Methodologie und Methoden“ und ich wurde neugierig: Wie nutzen deutsche Medien Umfrageergebnisse in ihrer Berichterstattung?

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?
Bislang standen vor allem Printpublikationen im Fokus von Forschungsarbeiten, die die Qualität von Umfrageberichterstattung analysierten. Zudem verblieben diese Arbeiten in der Regel dabei, Mängel in der Berichterstattungspraxis aufzuzeigen. Ich konzentriere mich mit meiner Masterarbeit nicht nur auf ein noch vernachlässigtes Medium, das Fernsehen, sondern möchte eine Lösung bieten, wie die Qualität der Umfrageberichterstattung in Zukunft aufgewertet werden kann. Meine Basis: qualitative Interviews mit Leitern von Meinungsforschungsinstituten und Verantwortlichen verschiedener Fernsehredaktionen.

 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Zwischen wissenschaftlichen Forderungen, welche Informationen Umfrageberichterstattung bieten sollte, und der journalistischen Praxis bestehen Differenzen. Ich möchte beide Seiten einander näherbringen. Das Ziel ist daher ein Kriterienkatalog, der Qualitätsstufen von Umfrageberichterstattung darstellt, und aufzeigt, mit welchen Mitteln Journalisten diese erreichen können. Die Grundlage bilden die wissenschaftliche Literatur, die aktuelle Praxis und meine qualitativen Interviews. Durch die Verbindung beider Seiten hoffe ich, dass sich der Kriterienkatalog als ein nützliches Arbeitsinstrument erweist.


Jonas Mueller-Töwe


"Sicherheitsmaßnahmen für Journalisten bei Recherchen zu Organisierter Kriminalität. Eine empirische Untersuchung am Beispiel ausgewählter Länder"


Wie sind Sie zu ihrem Thema gekommen?

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit Organisierter Kriminalität und verfolge die Entwicklungen. Weltweit werden Journalisten von Kriminellen und zum Teil mit ihnen verbündeten korrupten Eliten bedroht, angegriffen und ermordet. Das geschieht nicht nur am anderen Ende der Welt, sondern mitten in Europa. Der Nimbus der Gewaltbereitschaft, der kriminelle Netzwerke umgibt, ist gerade für freie Journalisten oder Mitarbeiter kleinerer Redaktionen eine Hemmschwelle sich mit ihnen zu befassen. Sicherheitsmaßnahmen, wie sie von Experten angewendet werden, könnten helfen, diese Hemmschwellen abzubauen und eine Kultur der Sicherheit in Redaktionen zu etablieren.


Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?
Sicherheitsmaßnahmen für Journalisten bei dieser Art von Recherchen waren bislang noch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Meine Explorationsstudie soll einen ersten Versuch darstellen, das Themenfeld zu erschließen. Dafür habe ich Interviews mit Journalisten (u.a. Misha Glenny und Alberto Spampinato) geführt, die seit Jahren zu Organisierter Kriminalität recherchieren. In Kombination mit Leitfäden z.B. des Committee to Protect Journalists wird somit im besten Fall eine erste wissenschaftliche Systematisierung möglich.


Was sind die Konsequenzen für die journalistische Praxis?

Sicherheitsmaßnahmen haben eine strategische und eine taktische Dimension. Strategisch müssen sie in Redaktionen und Medienorganisationen institutionalisiert werden. Nicht-Regierungs-Organisationen wie das Committee to Protect Journalists (CPJ) empfehlen dafür z.B. die Einführung von Risk Assessments. Weiter müssen taktische Maßnahmen für konkrete Fälle verankert werden: Wie reagiert die Redaktion auf Drohungen? Wie gehen Journalisten mit Informationen um? Wie gehen sie bei Konfrontationen vor? Sicherheitsmaßnahmen werden so zum Teil journalistischer Arbeit wie Recherche und Produktion und unterliegen einem ständigen Review-Prozess.


Rebecca Hameister

"Kann der Journalismus etwas vom Content Marketing lernen?"

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Content Marketing ist überall: Sie googeln „Schminktipps“. Die ersten Suchergebnisse sind nicht etwa journalistischer und unabhängiger Natur. Die oberen Plätze belegen Artdeco und Loreal Paris – zwei namhafte Unternehmen der Beautybranche. Während Werbung als nervig und verpönt gilt, nehmen die User Content Marketing an. Die Klickzahlen dieser Angebote und die die stetig zunehmende Markenbekanntheit können sich sehen lassen. Was kann und sollte der Journalismus vom Content Marketing lernen? Welche Kompetenzen benötigen Journalisten heute aus Sicht der Verantwortlichen von Content-Marketing-Agenturen? Für meine eigene berufliche Entwicklung und für das Ausbildungskonzept des Instituts für Journalistik möchte ich das herausfinden.

 

Was ist die wichtigste Erkenntnis Ihrer Masterarbeit?

Content-Marketing-Experten und Journalisten bedienen sich der gleichen Werkzeuge – nutzen diese aber unterschiedlich ausgeprägt. Journalisten müssen einsehen, dass ihr sich ihr Aufgabengebiet vergrößert. Mit Recherche und Schreiben ist es nicht mehr getan. Arbeiten müssen sie mit Analysetools, sie müssen die Suchmaschinenoptimierung beherrschen, ein Gespür für im Internet relevante Themen entwickeln und ihre Zielgruppe genauestens kennen und dadurch erreichen. Das Internet ist nicht die böse, neue Welt – das Internet gehört zum Alltag, für sie und ihre Rezipienten.

 

Was sind die Konsequenzen für die journalistische Praxis?

Der Journalismus kann in Sachen Suchmaschinenoptimierung, Reichweitenerhöhung und Zielgruppenansprache eine Menge vom Content Marketing lernen. Gleichwohl sind Content-Marketing-Agenturen auf gut ausgebildete Journalisten angewiesen. Denn sie sind es, die gute Texte liefern. Ohne gute Texte funktioniert kein gutes Content-Marketing-Angebot. Eine fundierte journalistische Ausbildung ist gut; die muss auf die analoge und auf die digitale Welt vorbereiten.


Victor Fritzen

"Roboterjournalismus: Chance oder Fluch für die Berichterstattung? Bestandsanalyse am Beispiel der automatischen Textgenerierung"

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Den „Anstoß“ gab ein Besuch Saim Alkans an der TU Dortmund im November 2015. Der Geschäftsführer der Softwareagentur aexea hat eine Software entwickelt, die automatische Texte generiert. Alkan hat bereits mit mehreren großen Verlagen und Redaktionen zusammengearbeitet und wirbt damit, mit dem Programm „ax semantics“ Journalisten von den Routineaufgaben entlasten und ihnen mehr Kapazitäten für Recherchen, Analysen oder persönliche Gespräche verschaffen zu können. Ob das tatsächlich so ist und ob damit auch Nachteile verbunden sind, soll in der Arbeit untersucht werden.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Bislang gibt es keine empirische Erhebung über die Erfahrungen der Redaktionen und Verlage mit der Erzeugung automatischer Texte. Diese Arbeit geht weniger auf die technischen Voraussetzungen und Kenntnisse ein, sondern rückt vielmehr die Auswirkungen auf die Kommunikation und den Journalismus in den Vordergrund. Sie hat nicht den Anspruch, die Technik, die hinter der Textgenerierung steckt, zu erklären. In der Hauptsache geht es um die Erfahrungen der Anwender in den Redaktionen.

 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Die Digitalisierung der Kommunikation verändert zweifelsohne das Arbeiten der Journalisten. Die Datenberge wachsen ebenso schnell wie die technischen Möglichkeiten zur Verarbeitung dieser Daten. Eine Entwicklung, die das klassische Rollenbild des Journalisten verändert hat und weiter verändern wird. Mit der fortschreitenden Automatisierung und der Metapher des Roboters verbinden Journalisten vor allem die Angst, dass ihre Arbeit überflüssig wird. Die Masterarbeit soll zeigen, inwieweit das zutrifft und welchen Stand diese Entwicklung angenommen hat.


Laura Millmann

"'Es muss erklärt werden, warum gekämpft wird'. Konzept eines konfliktsensitiven Journalismus für Kinder"

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Über eine einfache Erkenntnis: Kinder lassen sich nicht schützen – nicht vor dem Terror des IS, der ihnen in den Medien begegnet, nicht vor dem Krieg in Syrien, nicht vor rechter Gewalt. Kinder können diese Themen vielleicht noch nicht komplett erfassen, aber sie beschäftigen sich damit. Ich denke, es ist die Aufgabe von Journalisten, den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft angemessene Informationen über Konflikte und dadurch Orientierung zu bieten. Deshalb habe ich mich entschieden, ein Konzept für einen konfliktsensitiven Journalismus für Kinder zu entwerfen.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Ich verbinde in meiner Arbeit erstmals zwei Theoriebereiche: das Konzept eines konfliktsensitiven Journalismus und den Ansatz eines Qualitätsjournalismus für Kinder. Der daraus entwickelte Kriterienkatalog vereint Qualitätskriterien beider Bereiche. Für meine Forschung habe ich einen Hörfunkbeitrag nach diesen Kriterien produziert, um mit Kindern darüber zu diskutieren. Das bedeutet, ich konnte das Konzept des konfliktsensitiven Journalismus aus Nutzerperspektive betrachten und die aufgestellten Kriterien überarbeiten.

 

Worin sehen Sei den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Das Ziel ist es natürlich, dass der Katalog mit den konfliktsensitiven Kriterien von (Radio-)Redakteuren als Leitfaden im Alltag genutzt wird. Zudem ist die Sicht der Kinder unglaublich wertvoll für die Praxis. Vor allem für das Medium Radio wird die Zielgruppe selten befragt. Meine Arbeit liefert Hinweise darauf, wie Kinder Hörfunknachrichten konsumieren und was sie von einer Konfliktberichterstattung erwarten. Denn die wichtigste Erkenntnis für die Praxis ist: es lohnt sich, die Wünsche und Ansprüche der Kinder ernst zu nehmen.


Michael Jochimsen

"Analyse der Chartbeat-Daten des Medienhauses Lensing mit Fokus auf Rezeptionsgerät und Rezeptionsuhrzeit"

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Schon in meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit Online-Tools beschäftigt, die den Journalismus verändern - damals untersuchte ich Google News. Nachdem ich in einem Auslandssemester im Masterstudium meinen Schwerpunkt nochmals mehr auf Online-Journalismus verschoben hatte, war für mich klar, auch in meiner Masterarbeit zu diesem Themengebiet zu forschen. Seit meinem Volontariat vor nun fast fünf Jahren arbeite ich als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten bzw. dem Medienhaus Lensing. Daher kam die Idee und Möglichkeit zu Stande, die Chartbeat-Daten des Medienhauses Lensing, welche seit Ende 2015 erhoben werden, zu analysieren.

 

Was ist die wichtigste Erkenntnis Ihrer Masterarbeit?

Neben der grundlegenden Analyse einer Grundgesamtheit an Artikeln anstatt einer Stichprobe soll eine Analyse einiger Artikel dabei helfen zu verstehen, welche Unterschiede es im Konsumverhalten der Nutzer abhängig von dem jeweiligen Endgerät ist. Interessieren sich mobile Nutzer für andere Dinge als Menschen an Tablets oder Desktop-Computern? Wenn ja, für welche?

 

Was sind die Konsequenzen für die journalistische Praxis?

Der Praxisbezug wird schon durch den wissenschaftlichen Aufbau deutlich, da es sich um eine Anaylse von real existierenden Artikeln des Medienhauses Lensing handelt. Die Ergebnisse der Arbeit könnten so Redakteuren dabei helfen, bessere Entscheidungen hinsichtlich der Nachrichtenauswahl zu treffen, um eher dem Nutzerinteresse zu entsprechen.


Elisabeth Thobe

"Freund, Feind, Fremder? Eine Analyse der Migrationsberichterstattung südafrikaniscehr Tageszeitungen"

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Ich habe im letzten Jahr ein paar Monate in Südafrika gelebt. In dieser Zeit gab es gewaltsame Ausschreitungen gegen Migranten, einige sind sogar getötet worden. Die aggressive Stimmung gegenüber Migranten in einem sonst so toleranten Land hat mich noch lange beschäftigt. Zusätzlich habe ich die Berichterstattung der südafrikanischen Medien in Bezug auf Migranten als überwiegend negativ empfunden – aus dieser Kombination ist der Wunsch gewachsen, mich intensiver mit der Migrationsberichterstattung in Südafrika zu beschäftigen.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Schon seit einiger Zeit wird den südafrikanischen Medien von Politikern, Wissenschaftlern und der Bevölkerung vorgeworfen, negativ und einseitig über Migranten zu berichten und damit Ressentiments zu fördern. Ziel meiner Arbeit ist es zu untersuchen, ob sich dieser Eindruck tatsächlich ein Spiegelbild der südafrikanischen Migrationsberichterstattung ist. Auf dieser Grundlage gehe ich durch Interviews explorativ der Frage nach, welche möglichen Ursachen und Gründe hinter dieser Form der Migrationsberichterstattung in Südafrika stehen könnten.

 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Migrationsbewegungen nehmen weltweit immer mehr zu. Mit dieser Realität müssen sich Journalisten auseinandersetzen. Dazu gehört auch, sich mit der eigenen Berichterstattung und den möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Sich selbst den Spiegel vorzuhalten ist dabei ein Schritt – er reicht aber für eine umfassende Diskussion der Migrationsberichterstattung nicht aus. Wir sollten immer auch den Blick über den Tellerrand wagen, um zu sehen, wie andere Nationen mit diesem Thema umgehen und von ihnen lernen zu können.


Florian Zintl

"Berufsrelevanz von Social-Media-Guidelines aus Nutzerperspektive am Beispiel von Journalisten des WDR"

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Der ARD-Journalist Richard Gutjahr rät 2011 in seinem Blog: „Verbrennen Sie Ihre Social Media Guidelines“. ZDF-Journalist Mario Sixtus sieht in Social-Media-Guidelines eine „belanglose Ansammlung plattester Plattitüden“ und wirft die Frage auf „Warum sollte man so etwas wollen?“. Als Journalist, der mit Social Media großgeworden ist, habe ich selbst festgestellt, dass unterschiedliche (Medien)Unternehmen auf unterschiedliche Social-Media-Guidelines setzen und deshalb interessierte mich brennend, wie Journalisten Sixtus‘ Frage wohl beantworten.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Es existieren Forschungen zur Gestaltung von Social-Media-Guidelines, es gibt Untersuchungen zur Tonalität, es liegen Analysen zu den Kanälen vor, die in Social-Media-Guidelines am häufigsten genannt werden. Erstens handelt es sich dabei jedoch nicht um Forschungen im Feld des Journalismus/Kommunikationswissenschaft. Dazu kommt zweitens, dass es keine Erkenntnisse darüber gibt, inwiefern Journalisten Guidelines in ihrem persönlichen Arbeitsalltag nutzen, wie sie ihnen kommuniziert wurden und inwieweit sie zur Handlungssicherheit im Social-Media-Alltag beitragen. Kurz gesagt: Es gibt keinen Hinweis darauf, wie hilfreich Social-Media-Guidelines aus Sicht der Nutzer tatsächlich sind. Diese Arbeit liefert erste Erkenntnisse dazu.

 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

Moderne Journalisten und Journalistinnen des 21. Jahrhunderts arbeiten längst nicht mehr für „die Zeitung“ oder „das Fernsehen“, sondern für multimediale Medienhäuser. Diese verfolgen vermehrt eine Social-Media-Strategie, um mit den Inhalten der eigenen „Medienmarke“ via Social Media eine möglichst hohe Reichweite zu erzielen. Der moderne Journalist ist heute genau dieser „Ausspieler“ und wird so zum Kommunikator der Medienmarke im Social Web. Facebook, Twitter und YouTube sind redaktioneller Alltag und damit gleichsam auch die Social-Media-Guidelines, die rechtlichen und kommunikativen Grundlagen für den bewussten Umgang mit Social Media.


Jana Fischer

"Arbeitsweise und Selbstverständnis von Politsatire-Redaktionen im deutschen Fernsehen. Eine qualitative Untersuchung am Beispiel der Sendungen 'extra 3', 'heute-show' und 'Mitternachtsspitzen'"

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Ich arbeite seit 2014 frei für den WDR-Hörfunk. Eine meiner Hauptredaktionen ist dabei die Unterhaltungsredaktion von WDR5, für die ich Satire-Beiträge schreibe und produziere. Hiervon ausgehend finde ich es spannend, wie satirische Produkte entstehen und welche Überlegungen ihnen insbesondere auf inhaltlicher Ebene zugrunde liegen. Im Fall der untersuchten Fernseh-Politsatire ist diese Fragestellung besonders interessant, da sie momentan ein sehr breites Publikum erreichen. So entstand die Idee, die Macher verschiedener Formate darüber zu befragen, wie sie ihre eigene Arbeit wahrnehmen.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Politsatire im Fernsehen ist in den USA ausführlich untersucht worden, in Deutschland erst sehr wenig. Aktuell befasst sich ein Forschungsprojekt der Universitäten Marburg und Wuppertal mit dem Thema, auch die Otto-Brenner-Stiftung wird im September eine Studie unter dem Arbeitstitel „Quatsch oder Aufklärung?“ veröffentlichen. In der vorliegenden Masterarbeit liegt der Fokus weniger auf den Produkten und ihren Rezipienten als auf dem Selbstverständnis der Produzenten. Dies kann ein aktuell erstmals intensiv untersuchtes Forschungsfeld um eine aufschlussreiche Dimension ergänzen.

 

Worin sehen Sie den Bezug Ihres Themas zur journalistischen Praxis?

„Satiriker – die besseren Journalisten?“, lautete der Titel eines Panels auf der diesjährigen Jahrestagung des Netzwerks Recherche. Eine rhetorische Frage, doch sie zeigt, wie erfolgreich Politsatire an der Schnittstelle zwischen journalistischen Methoden und überspitzter Fiktion operiert. Besonders im Fernsehen ist sie für viele Rezipienten ein Faktor der politischen Meinungsbildung. Spätestens mit den Debatten um die Erdogan-Beiträge von extra 3 und dem Neomagazin Royale ist die Rolle von Satire im Fernsehen ohnehin eins der Medienthemen des Jahres 2016.

 


Fabian Karl

Fabian Karl

„Die Berichterstattung über Datenschutz im Internet und die Snowden-Enthüllungen in Deutschland 2013.“

 

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Ich habe im Sommer 2013, kurz nach Beginn der Enthüllungen, zum ersten Mal vom sogenannten „Snowden-Effekt“ gehört. Datenschutz war für deutsche IT-Unternehmen plötzlich ein Wettbewerbsvorteil, in der Politik hatte es den Anschein, als würde man sich ernsthaft über den Schutz der Online-Privatsphäre Gedanken machen und Internetnutzer haben angefangen, ihre E-Mails zu verschlüsseln. Mich interessiert deswegen die Frage, welchen Effekt die Enthüllungen auf die Art und Weise der Berichterstattung gehabt haben.

 

Worin sehen Sie den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Ihrer Arbeit?

Es gibt bereits einige Studien, die die Berichterstattung über Privatsphäre und Privatheit untersucht haben. Der Begriff Datenschutz wurde dabei jedoch ausgeklammert. Außerdem wurde das komplette Jahr 2013, das durch das Schlüsselereignis der Snowden-Enthüllung in fast zwei gleich große Hälften geteilt wird, noch nicht analysiert. Und die Frage, welche Akteure mit ihren Sichtweisen die medienvermittelte Debatte geprägt haben, ist auch noch nicht beantwortet.

 

Was sind die Konsequenzen für die journalistische Praxis?

Die Arbeit soll zum Nachdenken anregen: Welchen Akteuren hat man mit welchen Deutungsmustern Platz in der Berichterstattung eingeräumt? Wie sehr hat sich der Fokus auf Geheimdienste als Bedrohung für die Privatsphäre im Internet verschoben? Und: Welche Deutungen haben Journalisten denen von Politikern und Unternehmern entgegengesetzt? Alle diese Fragen sind relevant, wenn man davon ausgeht, dass die Medienberichterstattung einen Einfluss auf das Datenschutzverständnis- und verhalten der Rezipienten hat.


Charlotte Meitler

"Was meint Konfliktsensivität in Bezug auf die Kölner Silvesternacht? Eine explorative Studie"

Wie sind Sie zu Ihrem Thema gekommen?

Die Ereignisse der Kölner Silvesternacht sind schwer zu begreifen und zu durchdringen. Auch jetzt, über ein halbes Jahr nach der Nacht, die vieles verändert hat, sind die Geschehnisse nicht aufgearbeitet und rekonstruiert. Ursachen und Kontexte liegen auf unterschiedlichen Ebenen. Ich möchte verstehen, denn nur so ist eine qualitativ hochwertige Berichterstattung möglich. Für mein Thema habe ich mich als Journalistin und als Frau entschieden.

 

 

Was erwarten Sie an Forschungsfortschritt?

"Sex-Mob" und "Silvester-Grapscher": Die Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht hat an vielen Stellen gezeigt, wie Journalisten nicht arbeiten sollten. Besonders vor dem Hintergrund eines politisch aufgeheizten Klimas darf Journalismus kein Zufallsprodukt sein. In meiner Arbeit wurden spezielle Qualitätskriterien für Konflikte in Bezug auf die Kölner Silvesternacht mit Inhalten aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gefüllt. Durch fundiertes Kontext- und Konfliktwissen können Ursachen verstanden und Lösungsmöglichkeiten erkannt werden. Diese Aspekte zu benennen und multiperspektivisch zu beleuchten ist die Aufgabe von Qualitätsjournalismus.

 

 

Sehen Sie beim Thema eine Relevanz für die journalistische Praxis?

Meine Untersuchung versucht eben diese Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Modelle und Konzepte bleiben häufig abstrakt und geraten unter dem Druck der Aktualität und vor dem Hintergrund von Einsparungen und Kürzungen in den Hintergrund. Zwar ist der Blick auf die Kölner Silvesternacht retrospektiv, die Erkenntnisse aber sollen zukunftsweisend ausgerichtet und bei kommenden Situationen Orientierungshilfe für den journalistischen Alltag sein.